Früher war der Garten ein Geheimtipp ? der Baedeker von 2000 erwähnt ihn nicht, der neue Lonely Planet beschreibt ihn. Geheim ist das Ziel heute nicht mehr, was auch die ständigen Wegweiser
unterstreichen. Brief Garden ist für Touristen der Region Beruwela/Bentota ein lohnendes Ziel. Man gelangt zu ihm auf verschlungenen Wegen, er liegt etwa 10km nordöstlich von Aluthgama bei dem Dorf
Kalawila.
Der englische Landschaftsgarten ist ab 1929 von dem Besitzer Bevis Bawa aus einer ehemaligen Kautschukplantage nach und nach geschaffen worden. Der eigentümliche Name geht auf eine Artikelserie über
Landschaftsgärtnerei aus den 50iger und 60iger Jahren in der Ceylon Daily News zurück, die von Bevis Bawa unter "Briefly by Bevis" veröffentlicht wurde. Der Rundgang durch den Garten dauert nicht
lange. Mal führt der Weg durch dschungelartige Stellen, mal gibt er den Blick über künstliche Sichtachsen frei. Außerhalb der Trockenzeit bietet der Brief Garden eine Vielfalt an Blüten.
Bawa liebte ein volles Haus, Gäste waren immer willkommen, und sie kamen in Scharen aus Colombo und Übersee. Die berühmtesten waren Vivien und Laurence Olivier, die wegen Dreharbeiten mehrere Monate
bei Bevis Bawa wohnten.
Sehenswert ist das Wohnhaus des 1992 verstorbenen Besitzers. Die Kunst lag ihm im Blut, sie war sein Leben. Sein jüngerer Bruder Geoffrey war ein in Sri Lanka sehr bekannter Architekt, er schuf u.a.
das Parlamentsgebäude von Colombo. Bevis Bawa war im Gegensatz zu seinem Bruder nicht an Stilrichtungen und künstlerische Disziplin gebunden, er ließ seiner romantischen Ader freien Lauf. Dies sieht
man noch bei aufmerksamer Betrachtung der Skulpturen im Garten - sofern man sie entdeckt ? und auch an den vielfältigen künstlerischen Arbeiten im Haus. Mit seinen Zeichnungen und Skulpturen von
Jünglingen erreichte Bawa seine besten Leistungen. In den 60iger Jahren kam der australische Künstler Donald Friend zu einem Kurzbesuch und blieb über 5 Jahre. Etliche seiner Kunstwerke ließ er als
Geschenk im Haus. Beachtenswert das große Wandgemälde im Chagall-Stil.
Bawa hat sich sein Haus geschmackvoll mit 300 Jahre alten holländischen Möbeln ausgestattet und es gleichzeitig zur Ausstellung seiner künstlerischen Werke benutzt. Man spürt im Haus das sorgenfreie
Leben des fast 2m großen Kolonialoffiziers und Lebemannes. Auch Altersblindheit ließ ihn nicht vereinsamen. Er sagte darüber, vor seinem Auge habe er ständig Bilder und Filme aus seinem Leben, er sei
nicht allein.
Bawa beschäftigte 15 Gärtner, inzwischen sind es wieder 7, und nach einer Phase der Verwahrlosung machen Haus und Garten heute wieder einen gepflegten Eindruck. Im Gegenzug bleibt der Garten den
Einheimischen verschlossen, denn der Eintrittspreis ist höher als ein lokales Tageseinkommen..
Der durch Landschaftsgärten verwöhnte Besucher aus Europa wird die Bedeutung dieses Gartens erkennen, wenn er Sri Lanka bereist und im Land nichts Vergleichbares gefunden hat.






