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Der Charme von früher
Das Hotel habe ich von meinem damaligen Arbeitgeber bekommen. Billig bliebt billig kann ich da gleich sagen. Gebucht hat das mir die liebe Andrea. Vom Preis habe ich daher keine Ahnung. Aber es muss immer billig sein.
Der Check-in war mühelos. Ich hatte einen Ausdruck mit dabei und liebenswürdigerweise bekam ich das Frühstück mit bezahlt. Das war die einzige Bedingung. Ich habe keine Lust mich selbst zu verpflegen.
Das Hotel stammte noch aus den 70er Jahren. Das war nicht zu übersehen. Ein unansehnlicher Hochhausklotz, dem jeglicher Charme abhanden gekommen war. Die 3 Sterne waren sehr landestypisch und die musste ich erst mal finden.
Zugegeben, das Zimmer war geräumig aber mit einer großen Portion Ostcharme. Der Sicht auf die Stadt war noch das beste daran. Die Möbel des Zimmers erinnerten mich an die 60 bis 70er Jahren im Osten. Sowas hatten wir dann noch in Moldawien im Best Eastern gesehen. Die Wand war sehr kahl und das Bett eher so eine Pritsche. Das ist vielleicht etwas überspitzt. Das Bettzeug wurde lieblos darüber geworfen. Die Spotlampe über dem Bett hat das sehr gut beleuchtet.
Der Boden hatte eine undefinierbare Farbe. Ich würde sagen abgewetztes Grau – oder doch lieber Braun? In der Ecke zum Fenster der Augenstern meiner beiden Abende in diesem Hotellein. Der Röhri, zu deutsch, grauer Röhrenfernseher. Was gab es da? STV1, STV2 auf slowakisch – nix verstehen CT1, CT 2. Nein tschechisch kann ich nicht. Mit leicht rieselnder Qualität durfte ich dann ORF1 und ORF 2 verfolgen.
Da mir das vom Bett aus zu nervig war, schon ich den roten Polstersessel dorthin. Manno, der knirschte ganz schön. Leider hatte der schon ein paar weiße Flecken abbekommen. Wenn ich mal etwas Positives vermelden darf. Ich brauche immer eine enorme Helligkeit in den Zimmern, weil ich nicht mehr so gut lesen und sehen kann. Das Zimmerfenster war sehr breit und hoch und in der 11.Etages stand nichts mehr vor dem Fenster. Ich als Blumenliebhaber hatte dann immer an den Blumen am Fensterbrett gerochen. Das waren so Wiesenblumen. Die rochen ganz gut.
Das Restaurant habe ich nicht besucht. Das Menü habe ich nicht verstanden und da habe ich mir einen Imbiss von daheim mitgenommen. Auf der zweiten Etage war der Raum für das kontinentale Frühstück. Ich konnte wählen zwischen Eiern in unterschiedlicher Weise, Prager Schinken, Wurst, Käse und Aufschnitt, Obst, Müsli, Joghurt und noch ein paar Speisen. Kaffee, Tee und kalte Getränke standen ebenso auf dem Buffet.
Das Hotel war in der Nähe der Altstadt, nahe des Kamenné Namestie. Dort gab es mehrere Straßenbahn-Linien entlang der Spitalska. Damit ich neben meiner beruflichen Tätigkeit nicht immer drinnen hocke, habe ich ein paar Runden gedreht.
Im Nachhinein gesehen erinnert mich nun das Hotel an das Azimut - ex Sowjetunion in Sankt Petersburg. Ich würde es selbst nicht buchen. Das Hotel selbst sagt, es gibt Internet-Zugang, Schuhputzservice, Tagungsräume, Wäschereiservice, Zimmerservice, Hotelbar und Hotelsafe.
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