Animiert durch die Idee eines Freundes bzw. durch das Buch von Hape Kerkeling ("Bin dann Mal weg"), hatten wir beschlossen, den Großteil des Camino Frances per Rad zu bewältigen. Schließlich flogen wir , unsere Mountainbikes im Gepäck, zu viert (teilweise kannten wir uns vorher nicht) nach Bilbao. Von dort aus ging es mit dem Bus weiter nach Pamplona. Hier stiegen wir in den Camino ein. Wir nahmen uns vor die Strecke (ca. 750 km) bis nach Santiago de Compostela in 14 Tagen zu absolvieren. Obwohl es auch eine Route für Radpilger gegeben hätte, bevorzugten wir den Original-Camino. Da wir uns rücksichtsvoll verhielten, hatten wir nie negative Erlebnisse mit Fußpilgern.
Pilgerherbergen konnte man nicht im vorhinein buchen. Hätten wir aber auch nicht getan, da wir nicht wussten wie weit wir jeden Tag kommen würden. Unsere Tagesetappen betrugen von 55 km - 90 km. Jeden Tag, nachdem wir meinten genug geradelt zu sein, begaben wir uns auf Quartierssuche. Wir bevorzugten kleine Pensionen oder Hotels. Der Vorteil dabei ist, dass man ein wenig ruhiger schlafen kann, als in den großen Sälen der Herbergen.
Die ersten 7 Tage hatte zwischen 30 und 36 Grad Celsius. An diesen Tagen fuhren wir auf dem Original-Camino. Die letzten 4 Tage waren wir im teilweise strömenden Regen unterwegs. Die tiefste Temperatur an diesen Tagen war ca. 6 Grad Celsius.
Es ist auf jeden Fall ein aufregendes und erhebendes Gefühl, wenn man nach 11 Tagen auf dem Domplatz von Santiago de Compostela ankommt. Da wir 3 Tage früher als geplant ankamen, haben wir auch noch Finisterre besucht.
Man trifft während der Pilgerschaft sehr viele nette Leute , und man lernt, dass man auch mit weniger auskommen kann, und verzichtet gerne auf jeglichen Luxus. Weiters lernt man, wenn man so wie wir in der Gruppe unterwegs war, auf einander Rücksicht zu nehmen und sich unter zu ordnen. Obwohl wir uns vorher gar nicht kannten, wuchsen wir in den 14 Tagen zu einer tollen Einheit zusammen. Man soll aber keinen romantischen Vorstellungen unterliegen, das kann nämlich auch genau umgekehrt passieren.
Tipps für zukünftige Pilger:
Nur das wirklich notwendigste Gepäck mitnehmen, damit die Radpacktaschen nicht unnötig schwer werden.
Rucksack mit Trinkblase sehr empfehlenswert.
Radwerkzeug und Ersatzschläuche unbedingt notwendig (wir hatten zusammen 12 Platte).
Kartenmaterial (für Original- und Radalternativroute) nicht vergessen.
Nur qualitativ, gutes Rad (Mountainbike) verwenden.
Auch warme Bekleidung mitzunehmen ist dringend ratsam (man kommt auch in bergiges Gelände bis zu 1500 m;), auch wenn man im Sommer wandert oder radelt.
Wer ausreichend Zeit hat, sollte zu Fuß gehen. Hier hätte man noch mehr Zeit in sich zu gehen, was ja dem eigentlichen Sinn des Jakobswegs entsprechen würde. |